Die Bevölkerungsentwicklung und der demographische Wandel führen zu Veränderungen in vielen Lebensbereichen, die schon heute viele Fragen aufwerfen: Wie wollen wir im Alter wohnen? Können wir uns selbst versorgen, oder werden wir versorgt? Wie und wo werden wir gepflegt? Wie sehen Mobilität und soziale Kontakte im Alter aus? Aber auch: Können wir uns eine Unterstützung durch Technik vorstellen? Wie sollte die Technik dazu aussehen? Was bedeutet das für unsere Privatsphäre? Kann Technik menschliche und körperliche Nähe ersetzen? Können wir uns die neue Technik, aber auch neue medizinische Therapien leisten?

Für die meisten Menschen ist ein selbständiges Leben in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus die Wunschvorstellung für das persönliche Altern. Besonders nach dem Arbeitsleben wird die eigene Wohnumgebung zum Zentrum des Lebens. Ihre Ausgestaltung für ein möglichst langes, gesundes und sicheres Verbleiben zu Hause gewinnt an Dringlichkeit.

OFFIS hat sich diesen gesellschaftlichen Fragen schon frühzeitig gestellt, und arbeitet bereits seit 2003 an der Entwicklung und Integration von technischen Konzepten, die die häusliche Versorgung und Unterstützung verbessern, neue Kommunikationsmöglichkeiten anbieten und die eigene Mobilität unterstützen. Diese Konzepte bezeichnet man heute mit dem Begriff „Ambient Assisted Living“, kurz: AAL.

Unter dem Titel „IDEAAL“ werden bei OFFIS innovative technische Lösungen entwickelt, Fragen der gesellschaftlichen und individuellen Akzeptanz betrachtet und Herausforderungen untersucht, die bei der Integration der häuslichen Umgebung in das Gesundheitssystem und dessen Versorgungsprozesse entstehen. Der Mensch mit seinen Befähigungen, Bedürfnissen und Einschränkungen steht im Mittelpunkt des IDEAAL- Leitbildes. Technische Lösungen zur häuslichen Unterstützung werden in enger Verknüpfung mit Dienstleistung durch Dritte und nicht als Ersatz zur menschlichen Zuwendung betrachtet. Das Zuhause soll als ein Umfeld ausgestaltet werden, welches das häusliche Leben an sich, die Selbstversorgung aber auch Mobilität und Kommunikation unterstützt. Dabei gilt es, die Integration in das soziale Netzwerk aus Familie und Freunden, Bekannten und Nachbarn zu erhalten. Besonders bei körperlichen Einschränkungen wie nachlassenden Sinnesfunktionen oder chronischen Erkankungen werden pflegerische und medizinische Versorger eng eingebunden und bei Bedarf weitere Dienstleister hinzugezogen. IDEAAL will so den Menschen dazu verhelfen, durch optimale technische Unterstützung länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben zu können und damit den individuellen Wünschen der zukünftig Alten entgegenzukommen, dabei aber das Versorgungssystem insgesamt stabil und finanzierbar zu halten.

Schon im „Jahr der Wissenschaft 2009“ in Oldenburg präsentierte OFFIS in Zusammenarbeit mit HörTech der Öffentlichkeit als eines der ersten IDEAAL-Ergebnisse einen Fernseher mit integriertem Hörgerät. Diese Öffentlichkeitsarbeit wird nun im „Schlauen Haus“ in Oldenburg weiter vorangetrieben.

Der niedersächsische Forschungsverbund „Gestaltung Altersgerechter Lebenswelten“, der vom OFFIS koordiniert wird, zeigt exemplarisch, wie durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Informatikern, Ingenieuren, Ökonomen, Medizinern, Soziologen und Psychologen neue AAL-Systemen entstehen können, die die Bedarfe ältere Menschen, von Dienstleistern und zukünftigen Betreibern erfüllen. Er stimuliert damit in besonderem Maße auch die Diskussion mit der Politik und der Öffentlichkeit.

Die regionale und überregionale Sichtbarkeit der IDEAAL-Aktivitäten ist hoch: Fernsehen und Rundfunk, regionale und überregionale Zeitungen haben bereits über IDEAAL berichtet. So konnten Organisationen und Unternehmen für AAL sensibilisiert und als Partner gewonnen werden. Das AAL-Netzwerk von OFFIS ist daher regional und überregional gut ausgebaut. Zu ihm gehören Forschungspartner wie die Universität Oldenburg, HörTech, Fraunhofer IDMT oder das Institut für Palliative Care ebenso wie klinische und medizinisch Einrichtungen, z.B. das Geriatriezentrum Oldenburg, das Pius-Hospital und das Palliativzentrum Oldenburg, die Medizinische Hochschule Hannover und die Charité, Versorger wie die Johanniter Unfallhilfe und örtliche Pflegedienste, aber auch große nationale und internationale Industrieunternehmen wie Siemens, Philips oder NEC.

Eine wichtige Herausforderung für OFFIS ist die Auseinandersetzung mit den Bedarfen und Anforderungen aus unterschiedlichen Bereichen der häuslichen Unterstützung für ältere Menschen. Während für „jüngere Alte“ Komfort- und Kommunikationsfunktionen sowie präventive Unterstützung im Vordergrund stehen und dem Nutzer die Möglichkeit geben, sich an technische Konzepte zu gewöhnen, verlagert sich der Fokus für mittelalte und hochaltrige Menschen im Laufe der Zeit zunehmend auf den Ausgleich von nachlassenden körperlichen Fähigkeiten, die Unterstützung chronischer Krankheiten, Rehabilitation sowie Sicherheit im häuslichen Umfeld.

Ein modularer Aufbau macht es möglich, technische Lösungen frühzeitig einzuführen und die Anwender mit Nutzung und Bedienung vertraut zu machen. So wird ein niederschwelliger Einstieg in die individuell zu wählenden Module ermöglicht. Mitwachsende Lösungen passen sich dabei wechselnden Anforderungen an. Durch die unterschiedlichen Aufgaben und Bedarfe ergeben sich vielfältige Anforderungen an die technischen Lösungen Sie müssen kostengünstig und nachrüstbar sein. Besonders der Nutzen und die Bedienbarkeit beeinflussen dabei die Akzeptanz von technischen Lösungen: Nicht-stigmatisierende, sinnvolle, nutzer- und nutzenorientierte Systeme stehen daher im Vordergrund der unter IDEAAL entworfenen Ansätze.

Mit IDEAAL sollen wesentlich auch die Sichtbarkeit und „Begreifbarkeit“ des Themas „Ambient Assisted Living“ weiter gestärkt werden. Ein zentraler Bestandteil aller Entwicklungsarbeiten ist daher die frühe Diskussion mit den einzelnen Nutzergruppen wie Senioren, Medizinern und Pflegern. Bereits 2005 hat OFFIS daher eines der ersten europäischen Wohnlabore, für Forschungs- und Demonstrationszwecke die IDEAAL-Wohnung eingerichtet. Zunächst als ein einzelner Showroom angelegt, erreichte sie schnell eine hohe Sichtbarkeit und Bedeutung, so dass sie schon wenig später in ihre heutige Form als vollständige Zweizimmer-Wohnung ausgebaut wurde. Als Labor und als Kristallisationspunkt für AAL-Aktivitäten bietet sie immer wieder Impulse für die Entwicklung neuer, zukunftsweisender AAL-Technologien, die erprobt, präsentiert und
interdisziplinär diskutiert werden können. Die Ergebnisse der Gespräche mit den einzelnen Nutzergruppen werden in aufeinander aufbauenden Entwicklungsschritten umgesetzt und integriert. So lassen sich mit den Endanwendern und Dienstleistern völlig neue Bedarfe identifizieren und zu neuen, innovativen, technischen Ideen führen, die dann auf Machbarkeit und Akzeptanz überprüft werden. So schafft IDEAAL den idealen Nährboden für neue Dienstleistungen und Produkte.